Freitag, 19. Juni 2015

Gellendorfer baut die "Bismarck"




-krk- Es sind filigrane Arbeiten und es ist kaum zu glauben, dass sie in Handarbeit entstanden sind. Um diese Perfektion zu erreichen, braucht es vor allem eines: Geduld, Geduld und nochmals Geduld.


Davon hat Ralf Dieter Krause, Liebhaber von Schiffsmodellen beziehungsweise deren
Erbauer eine ganze Menge. Denn ohne die würden seine Projekte schnell in der Ecke landen. Zumal es für die prächtigen Segler und Koggen im Modellformat oft keine passenden Baukästen gibt, die den Vorstellungen und Ansprüchen des Enthusiasten gerecht werden. Dementsprechend legt der Schiffsmodellbauer selbst Hand an. Fertigt eigens dafür Werkzeuge um Spanten haargenau und auf den Zehntelmillimeter zu sägen, um seinem Traum vom detailgetreuen Schiff so nahe wie möglich zu kommen. Es sind wunderschöne Modelle, die unter seinen Händen entstehen. Genug Material geben die zahlreichen maritimen Bücher her, die sich im Besitz des ehemaligen Berufssoldaten finden. 
 
In seiner mit Zangen, Raspeln, Feilen, Schleifmaschine, Bohrer und Stichsäge gut ausgestatteten Werkstatt, dem ehemaligen Kinderzimmer seiner Töchter, stehen jede Menge Modelle, darunter Leuchttürme und Windmühlen aber vor allem Schiffe. Krause, der sich seit über einem Jahrzehnt diesem Hobby verschrieben hat, baute bisher Frachter, Schlepper, Kutter und Segler und sogar ein „Riverboad“. Und hat dabei viel Zeit aufgebracht. Allerdings würde er an einem Modell nur arbeiten, wenn er dazu Lust habe. Aus diesem Grund hat es auch schon Zeiten gegeben, in denen er überhaupt nichts an seinen Schiffen getan habe, so der Pensionär. „Aber meistens macht es wirklich richtig viel Spaß und ich liebe es beim Bau eines Schiffes in eine völlig andere Welt eintauchen.“
Sein aktuelles Projekt, der Nachbau des Schlachtschiffes Bismarck ist wie er sagt: „Sein Meisterstück“.Seine Werkbank und ein Tisch dienen dem gebürtigen Remscheider dabei als Werft. Dort steht auf Kiel gelegt das riesige Schlachtschiff, das 1941 bei seiner ersten Gefechtsfahrt von den Engländern versenkt wurde. Schon lange bastelt der Gellendorfer an dem Kriegsschiff. Wie lange genau kann er nicht sagen. Seine Detailtreue führt dabei so weit, dass selbst die winzige Reling in Handarbeit gefertigt wird. „Kreativität und viel Phantasie sind bei der Materialwahl gefragt“, verrät der 70-Jährige. 

Aus (Model)Eisenbahngleisen fertigt er Halterungen, diese bekommen kleine Bohrungen durch die dann wiederum winzige Kettchen gezogen werden. Schließlich soll alles bis ins Kleinste mit dem Original übereinstimmen. Neben der Geduld ist deshalb eine ruhige Hand nötig. Doch gerade das mache laut Krause den Reiz aus. „Ich finde dabei Ruhe.“ Sein gelernter Beruf als Werkzeugmacher kommt ihm dabei sehr zu Gute.
Unterstützung hat Ralf Dieter Krause von seiner Frau die ihn ungestört vor sich hinwerkeln lässt, aber vor allem auch von seinen Kollegen vom Rheiner Schiffsmodellbau Club. Mit ihnen tauscht er sich regelmäßig aus, stellt die Fortschritte seiner Arbeit mit Fotos und Beschreibungen vor und holt sich Tipps und Tricks sowie manches Lob von den Modellbaukollegen ab.

Nach Fertigstellung soll die Bismarck zur Jungfernfahrt in den hauseigenen Pool. Dafür muss Krause das Ungetüm jedoch erst einmal aus der ersten Etage des Einfamilienhauses bekommen. Da der Treppenaufgang sehr schmal und eng ist könnte sich das als ein kniffliges Unterfangen herausstellen. Doch Ralf Dieter ist zuversichtlich: „Das wird schon, mit kniffligen Sachen kenne ich mich doch schließlich aus!“


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