Montag, 22. August 2016

Nordwestwetter




Gerade in diesen Tagen geht der Blick wieder oft gen Himmel. Und ist das Unwetter erst einmal abzusehen, empfinden viele Menschen einen Fluchtreflex: Bloß weg hier, bevor es richtig los geht. Bei Holger Hammerschlag aus Rheine-Elte ist das anders. Wenn der Softwareentwickler auf
einem seiner Monitore mit laufendem Wetterradar oder Satellitenbild bedrohlich wirkende Wetterformationen sieht, schickt der Hobbymeterologe Warnungen über die sozialen Medien. Dass er bereits lange vor dem Ausbruch weiß, wo es krachen könnte, verdankt er jahrelanger Erfahrung und der Fähigkeit, Wetterdaten zu analysieren.

Bei einem gemütlichen Grillabend entstand im Juli 2011 die Idee, eine Facebookseite („Nordwestwetter“) mit meteorologischen Informationen für den Bereich des südlichen Emslands und der Region Rheine aufzubauen. Auslöser war ein Unwetter über Lingen, vor dem die großen Wetterportale erst sehr spät und aus Sicht des Mitgründers Björn Neuhoff nur unzureichend gewarnt hatten.

Schnell war ein erstes Konzept gefunden und eine Seite eingerichtet. Während zu Beginn nur vor Unwettern gewarnt wurde, kam sehr schnell mit Reind Hagen jemand dazu, der das Geschehen am Nachthimmel kommentierte und auf besondere astrologische Erscheinungen wie Meteoritenschwärme oder Polarlichter hinwies. Das Team wuchs schnell weiter und mit Holger Hammerschlag kam jemand ins Team, der nun seit 2012 fast täglich den Tageswetterbericht verfasst.

Seit 2013 bringt Nordwestwetter.de einmal pro Woche eine durch eigene Auswertung der Wettermodelle erstellte Wochenprognose. Jeweils mittwochs veröffentlicht der Teamleiter Christian von Lienen diese Prognose auf der Webseite und in den sozialen Medien. Zusammen mit dem Grevener Björn Bader, der noch recht neu im Team von Nordwestwetter.de ist, bewerten sie die Großwetterlage und wägen die Auswirkungen auf die Region vom nördlichen Emsland bis Münster sowie von der Grafschaft Bentheim bis in den Kreis Diepholz ab. Das nämlich ist inzwischen das Vorhersagegebiet von Nordwestwetter.de. Weiteres Wachstum ist nicht ausgeschlossen. Inzwischen kommen schon fast regelmäßig Wetteranfragen aus dem Kreis Borken, aus Paderborn und aus dem nördlichen Ruhrgebiet. „Dazu“, so von Lienen, „brauchen wir aber weitere Unterstützung“. Christian von Lienen ist derzeit das „Gesicht“ der Website. „Ich moderiere im Livestream immer frei Schnauze, das kann ich am Besten“, sagt der Lingener lachend. Schon wegen seines Berufes als angehender Friseurmeister, plaudere er viel und gerne. Er selbst ist für die Bereiche Lingen, Vechta, Cloppenburg und Diepholz zuständig.

Die große Stärke liegt jedoch auf der Warnung und der Beobachtung von Unwetterereignissen für diese Region. „Da unser Fokus nur auf dem Nordwesten Deutschlands liegt“, so Teamleiter Christian von Lienen, „können wir fast rund um die Uhr schnell auf jede Veränderung reagieren. Unterstützt werden wir von einer Vielzahl von Wettermeldern, die per WhatsApp, Facebook und Twitter ihr Ortswetter schicken“. Wenn die offiziellen Warndienste schon einen Landkreis mit einer Warnung versehen haben, kann es bei Nordwestwetter noch dauern. Statt flächendeckend zu warnen, versucht das Team die Zugbahn eines Unwetters, gleich ob Gewitter oder Eisregen, möglichst genau zu bestimmen. Wir haben da viel Verantwortung und mit Warnungen gehen wir sehr vorsichtig um“, berichtet von Lienen. So habe man sich auch das Vertrauen der Fans erarbeitet.

Nordwestwetter wird in diesen Tagen fünf Jahre alt. Während in den ersten vier Jahren bei Facebook noch insgesamt 3500 Fans zu verzeichnen waren, kamen alleine in den letzten zwölf Monaten über 5000 neue Facebook-Follower dazu. Ein fast schon tolles Wachstum, das aber auch die Akzeptanz in der Region und die Genauigkeit der Vorhersagen, insbesondere bei schweren Unwettern unterstreicht. Bei den schweren Gewittern am 23. und 24. Juni fuhr ein Team von Nordwestwetter den Unwetterzellen entgegen und warnte per Livestream über das Internet die Leser. Von Lienen selbst war einer von gleich drei Sturmjägern die zu dem Zeitpunkt als Vorposten auf dem Schöppinger Berg postiert waren. „Ich war von der wahnsinnig hohen Blitzrate überrascht und was da alles runter kam, damit haben auch wir nicht gerechnet“, so der 27-Jährige. Als es in Rheine noch nahezu trocken war, wurden die Zuschauer eindrucksvoll vor den Niederschlägen mit Mengen von bis über 100l/qm gewarnt. Marco Kremers ist als „Spotter“ in der Vorhersageregion unterwegs. Auch ansonsten ist das Team nahezu über die ganze Region verteilt.

Damit auch die erreicht werden können, die keine Internetflat auf dem Handy haben oder die nicht immer im Netz sind, hat das Team eine Warnmöglichkeit per fast schon altmodischer SMS eingerichtet. Die An- und Abmeldung zu diesem für die Nutzer kostenfreien Service erfolgt unkompliziert auf der Homepage unter
www.nordwestwetter.de. Während für das Webhosting schnell ein kompetenter Sponsor gefunden wurde, werden die Kosten für die Warn-SMS ebenso wie für Wetterstationen, Kameras und Lizenzen für die Radarnutzung komplett allein vom Team getragen. Auch weitere Mitstreiter, wie Neuzugang Björn Bäder, werden permanent gesucht.
Inzwischen arbeiten die „Sturmjäger“ rund um van Lienen und Holger Hammerschlag eng mit den Wetterdiensten Meteopool und dem Regiowetter-Verbund zusammen. Für den Bereich Lingen, Vechta, Cloppenburg und Diepholz ist van Lienen und für den Bereich Steinfurt und Emsland ist Hammerschlag der regionale Ansprechpartner. Und so ist es auch kein Wunder das Freunde und Bekannte, die sein Hobby kennen, fragen wie denn das Wetter am nächsten Wochenende wird.

Zum Abschied wünscht Holger Hammerschlag dann noch „einen schönen Tag“, was eigentlich harmlos klingt. Aber bei ihm fragt man sich schon, was er damit meint. Einen Nachmittag mit steil aufgetürmten Wolkenbergen? Danach wilde Turbulenzen und dann zum Abschluss, so gegen Abend, vielleicht noch ein spektakulärer Hagelorkan?

Wer als Sponsor mithelfen und das Team unterstützen möchte, kann sich per E-Mail unter nordwestwetter@online.de melden.


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