Sonntag, 4. August 2013

Hygienebehälter in Herrentoiletten




Hygienebehälter geben Männern die Chance, wieder am Leben teilzunehmen", sagt Ludger Schnorrenberg Vorsitzender der Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe Rheine. Er freut sich darüber das diese Behältnisse jetzt auch endlich auf Herrentoiletten selbstverständlich werden.
Denn anders als in Damentoiletten sind Hygienebehälter in Herrentoiletten bisher Mangelware. Dabei leiden laut des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS) mehr als vier Millionen Männer an Harninkontinenz und sind daher oft auf Vorlagen angewiesen.Leider ist Inkontinenz immer noch eines der großen Tabuthemen unserer Gesellschaft“ sagt Schnorrenberg. Unter dem Motto „Was nicht sein darf, gibt es auch nicht“ gälte das besonders für Männer, die so etwas Unangenehmes gerne verdrängen und verschweigen.

Schnorrenberg habe vor
etwa sechs Jahren angefangen sich mit dem Thema Hygienebehälter für Männer auseinander zu setzten. So richtig ins Rollen sei das vom Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. angeschobene Projekt „ Hygienebehälter in Herrentoiletten“, dessen Leiter er inzwischen ist, aber erst im Jahr 2010 gekommen, als er einen Anruf einer Frau erhielt, die sich darüber beschwerte, dass ihr Mann aufgrund seiner Inkontinenz nicht mehr mit in die gemütliche Kneipe um die Ecke gehen könne. „So geht es leider vielen Betroffenen, sie scheuen sich wegzugehen, weder auf Familienfeiern, Hochzeiten oder auch nur auf die Kirmes, weil sie immer im Hinterkopf haben: wohin mit der Vorlage, wenn diese feucht ist“, berichtet der engagierte Rentner. Unterstützung genießt er auch durch seinen Kollegen in Bayern , Oskar Blum dem Leiter der Prostatakrebs- Selbsthilfegruppe in Landshut, der sich vor allen Dingen um den Raum südlich des Mains kümmert.

Gemeinsam mit dem Deutschen Hotel und Gaststättenverband Westfalen (DEHOGA) und dem Bundesverband der DEHOGA versuchte Schnorrenberg nun Behälter auf jeder Herrentoiletten zu etablieren, damit die Entsorgung der Vorlagen diskret erfolgen kann. „Mir war von Anfang an klar das man so etwas aber vor allen Dingen über eine gesetzliche Basis regeln kann und muss . “
Unterstützung bekam er dabei erfreulicherweise vor allem von dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion dem Bundestagsabgeordneten Jens Spahn. Dieser schrieb in Eigeninitiative alle 16 Bundesländer an, um sie auf die Problematik der Behälter hinzuweisen. Alle meldeten sich innerhalb kürzester Zeit zurück, einige machten sogar gleich Vorschläge wie man das Problem versuchen könne anzugehen und zu beseitigen.
Dann kam Ludger Schnorrenberg auf die Idee eines Beschlusses der Arbeitsstättenregel „Sanitärräume“ durch den ASTA und das bundesweit.

Diese Idee trägt nun Früchte“, freut sich Schnorrenberg und fährt fort: „Der Beschluss steht nun seit August und die offizielle Bekanntgabe der Regel erfolgt im Gemeinsamen Ministerialblatt durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.“ Nun seien die Gaststätten, Hotels und Betriebe gefordert diesen Beschluss auch umzusetzen.

Toilettenfrau Monika Wunsch die viele Rheiner Events, wie die Kirmes, die Stadtparkparty und auch das Ems-Festival, betreut sagt zu diesem Beschluss: „Ein Abfalleimer auf dem Männerklo war und ist für mich schon immer Standard.“ Und schaut man sich auf ihrem Toilettenwagen weiter um, ist man erstaunt was man hier alles an Serviceleistung findet. Auf der Ablage gibt es Haarspray und viele verschiedene Deos, drei unterschiedlich duftende Seifen stehen am Waschbecken und auf Anfrage gibt es sogar Mascara, Lippenstift und Damenhygieneprodukte. „Ich habe auch Einlagen für Männer dabei aber die trauen sich wohl nicht zu fragen.“ Deshalb deponiere sie diese einfach ebenfalls auf dem Herrenklo. „Meine Kunden sollen sich bei mir so wohl fühlen als wären sie bei sich zuhause“, so die gebürtige Lohnerin. Sie will sich jetzt sogar darum kümmern den Toilettenwagen mit einem Aufkleber des Projekts von Ludger Schnorrenberg auszustatten und ist auch gerne bereit Informationsmaterial auszulegen.

Schnorrenberg freut sich über solches Engagement und hofft das sich das Bewusstsein der Öffentlichkeit in dieser Hinsicht ebenfalls verändert. Auch weist er auf frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen hin, die Männern ab dem 45. Lebensjahr gesetzlich zustehen, damit es gar nicht erst zu einer möglichen Inkontinenz komme. „Das Thema ist einfach ein schwieriges Feld“, sagt er. Doch die bundesweit über 260 Prostatakrebs - Selbsthilfegruppen im Bundesverband gäben Grund zur Hoffnung das sich auch hier etwas im Bewusstsein der Menschen verändern werde.

Weitere Informationen gibt es unter www.hygienebehaelter-herrentoiletten.de, www.prostatakrebs-bps.de und unter www.prostata-selbsthilfe-rheine.de .

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