Mittwoch, 7. August 2013

Studienreise Dorf.Land.Zukunft.


 
Die Dorf-Initiative „Dorf. Land. Zukunft.“ und ihre Projektwerkstätten (Arbeitsgruppen) „Wohnen im Alter“ und „Nahversorgung“ hatten am vergangenen Samstag zu Studienreise nach Barmen bei Jülich und Legden eingeladen, um Beispiele von guter dörflicher Nahversorgung und Modelle zum Wohnen im Alter kennenzulernen.

Wenn wir in Elte genügend gemeinschaftlichen Willen aufbringen, können wir auch unsere Zukunftsprojekte umsetzen!“ Das war der Tenor der etwa 30 Elteraner.
Schon die Busfahrt wurde für
einen kleinen Reflektionsworkshop über die Erfahrungen der verschiedenen Arbeitsgruppen in Elte genutzt. Die Teilnehmer sammelten mit ihrem Sitznachbarn Fragen, die sie von den Projekt-Besuchen beantwortet haben wollten.

Und so staunte Christian Klems vom Dorf-Zentrum in Barmen nicht schlecht, als die Elteraner bei ihrem ersten Besuch mit einer Pinnwand, gespickt mit Karten voller Fragen, in die Vortragshalle eintraten. Das Dorfzentrum in Barmen-Jülich gilt in NRW als Vorbild für den professionellen Aufbau von Dorfzentren. Das Dorf hat nach langer Krise in Eigeninitiative nicht nur ein Einkaufsgeschäft für den täglichen Bedarf wieder aufgebaut, sondern diesen Laden mit weiteren Dienstleistungen gefüllt: Reisebüro, Internetservice, Poststelle, Fotostation, Café und Sozialdienstleistungen (wie Senioren-Notruf, Dorf-Infozentrale und Treffpunkt der Generationen) wurden in einem ehemaligen Sparkassengebäude aufgebaut. Und um die Ecke kommt der Landarzt dreimal wöchentlich zu Sprechstunden.

Das war nicht immer so. Barmen hatte, wie viele kleine Dörfer zuvor alle Dienstleistungen verloren und stand vor dem Scheideweg. Entweder die Bevölkerung würde selber aktiv oder Barmen würde Wohnrandgebiet ohne Zusammenhalt. „Ihr Dorf hat die gleichen Chancen und die besten Voraussetzungen“, so Klems optimistisch. Er hatte sich im Internet schlau gemacht über Elte, kannte die Nähe zu Großmärkten in Mesum, den Emsauenradweg und die Verkehrsanbindung. „Wir sind damals auch klein angefangen. Und der große Supermarkt ist auch nur 3 Kilometer entfernt.“ Wichtig sei es, mehrere Unterstützungsangebote an einem Ort zu konzentrieren. Und es ginge nicht darum, dass die Dorfbewohner nicht mehr zu Aldi und Lidl fahren: „Wenn die Bewohner nur 10 Prozent ihrer Waren und Dienstleistungen im Dorfzentrum einkaufen, schreibt man schwarze Zahlen“, versprach er. Entscheidend sei in Barmen wie in Elte der Wille und die Beteiligung einer kritischen Masse von Elteranern als auch ein gut durchdachter Start eines solchen Projektes.

Der nächste Schritt ist damit schon geplant: Die Initiative Dorf.Land.Zukunft. wird zu einer Bürgerversammlung in Elte einladen, wo Herr Klems noch einmal im größeren Kreis informiert. „Zeigt sich auf der Bürgerversammlung, dass wir Elteraner wirklich ein solches Zentrum wollen, starten wir den nächsten Schritt, eine detailliertere Bedarfsanalyse“, sagt Frank Wältring Mitglied der Initiative.

Legden die zweite Besuchsstation der Elteraner positioniert sich als „Zukunftsdorf im Alter“. Die Kleinstadt mit 7000 Einwohnern ist nicht mit Elte zu vergleichen, arbeitet schon lange am Thema, politisch eigenständig und erhält bereits Unterstützung von regionalen Förderprogrammen. Erste Straßen im Stadtkern wurden bereits altersgerecht umgestaltet, Seniorenwohnungen und ein Gesundheitszentrum errichtet, ein Garten für Demenzkranke ist in Planung.

Martina Schrage als stellvertretende Bürgermeisterin verdeutlichte bei ihrer Einführung, dass jedes Dorf seinen eigenen Weg finden muss. „Wir sind in Elte ganz anders aufgestellt, haben andere Voraussetzungen, andere Ziele“, sagte Thomas Schnellenberg von der Projektwerkstatt „Wohnen im Alter“. Aber der Ansatz in Legden habe auch die eigenen Vorstellungen geschärft und man wissen nun auch noch besser, was man wolle und was nicht.

Mit auf der Reise waren Ärzte, Altenpfleger, Bauunternehmer und Architekten aus Elte. Noch in Legden und auf der Heimreise schmiedeten sie weitere Pläne für das Wohnen im Alter in Elte. Am Ende eines langen Tages waren zwar alle Beteiligten müde von den vielen Eindrücken, doch zugleich noch froheren Mutes, den Zukunftsweg in Elte aus eigener Kraft verwirklichen zu können.
Und die Dorf-Reise hat auch gezeigt: macht man sich gemeinsam auf die Suche, findet man Antworten. Und die Lust zur Planung der nächsten kleinen Schritte. Diese werden in Elte nun in den nächsten Wochen umgesetzt.


Margret Kellers von der Projektwerkstatt „Wohnen im Alter“ zeigte sich von der Studienfahrt sehr begeistert: „ Schon auf der Hinfahrt im Bus haben wir Fragen ausgearbeitet die wir vor Ort stellen wollten, dadurch kam mir die Fahrt gar nicht lang vor.“ Erstaunt war sie, im Dorfzentrum in Barmen-Jülich, von Christian Klems gezeigten Engagement der mit Hilfe seines Teams für die erhitzten Elteraner extra eine klimatisierte Halle, Kaffee, kalte Getränke und Brötchen organisiert hatte. „Mir ist aufgefallen das die sich richtig Gedanken zu Elte gemacht haben. Während des Vortrags war auf jedem der gezeigtem Power-Point Folien unser Dorf.Land.Zukunft. Logo mit dem Schwan zu sehen, das fand ich richtig toll. Für Elte kann ich mir deren Konzept sehr gut vorstellen. Toll fand ich auch die vielen zusätzlichen Angebote die es im Dorfladen gab.
Das Konzept „Zukunftsdorf im Alter“ in Legden hingegen fand keinen Anklang bei der Elteranerin: „Das hat mir gar nicht gefallen, da würde ich auch nicht leben wollen.“ Zwar sei in der besichtigten Wohnung alles höhenverstellbar und altersgerecht, die Kaltmiete läge mit 8 Euro pro Quadratmeter ihrer Meinung nach aber sehr hoch. Leider habe sie vergessen zu fragen ob solch eine Wohnung auch vom Sozialamt bezahlt werden würde. Als besonders negativ empfand sie die fehlenden Gemeinschaftsräume und den meterhohen Zaun der das Gebäude umgibt und das holprige Kopfsteinpflaster das es innerhalb des Dorfes gäbe.

Henning Wachsmuth empfand den Vortrag von Christian Klems vom Dorf-Zentrum in Barmen und alles was damit zusammenhing als „hervorragend und sehr professionell“. „Deren Arbeit von der Analyse der Infrastruktur, bis zur Hilfe bei der Umsetzung zieht sich vom Schwarzwald bis nach Brandenburg, das ist wirklich bemerkenswert. Das Angebot einer solchen Analyse sollten wir in Elte auch in Anspruch nehmen.“ Zwar hätte das seinen Preis (eine solche Analyse kostet zwischen 3000 bis 7000 Euro), wäre aber die Sache wert. Zumal man ja auch weiter Unterstützung bei der Umsetzung des Dorfladens bekommen könne. Angetan sei er auch von den zusätzlichen Dienstleistungen die in dem Laden in Barmen angeboten würden. „Es gibt dort Möglichkeiten sein Auto an - und abzumelden, kleinere Versicherungen abzuschließen und sogar eine Reise zu buchen.“

Das „Zukunftsdorf im Alter“ in Legden sei auf Elte nicht übertragbar, schließlich werde das gesamte Dorf ja praktisch altersgerecht umgestaltet. „Das Gesamtkonzept ist für Elte einfach eine Nummer zu groß.“ 

 

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