Freitag, 18. April 2014

"Fährmann haal över!“

"Fährmann haal över!“ Diesen traditionellen Ruf soll man ab dem 1.Mai wieder regelmäßig an der Ems, genauer gesagt an der Bockholter – Emsfähre in Elte, hören. „Sollte das Wetter mitspielen bringt die letzte Emsfähre in Westfalen sogar schon an Ostern die ersten Fahrradfahrer und Wanderer trockenen Fußes über den Fluss“, verriet Fährmänn Bernd Poll. Er kennt sich mit dem Boot bestens aus, steuert er es doch schon seit mittlerweile
17 Jahren am Drahtseil über den Fluss und hilft so Radlern, die Ems zu überqueren.


Poll hat die Fähre in den vergangenen Monaten von Grund auf renoviert. „Das Stahlboot hat mittlerweile 66 Jahre auf dem Buckel, genauso wie ich“, lacht Fährmann „Beppo“. Da sei dann schon mal das ein oder andere daran zu tun. In diesem Jahr seien die Arbeiten besonders umfangreich gewesen. Über 100 Arbeitsstunden habe er in das Boot investiert. „Der Rumpf hatte inzwischen diverse Löcher die ich zuschweißen musste, danach musste ich Glasfasermatten und Poyester auftragen damit alles wieder abgedichtet ist“, so der Fährmann. Auch der Innenraum wurde überholt und das Boot bekam einen komplett neuen Anstrich.


Eine kleine Personenfähre am Traditionsgasthaus direkt neben dem Fluss gibt es bereits seit mehr als 250 Jahren. Das aktuelle Boot ist der Nachfolger einer Holzfähre, die von den Briten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gesprengt wurde. Das neue Stahlboot wurde auf einer Werft in Papenburg gebaut. Fähren wie die in Elte stellten noch bis Anfang des vorigen Jahrhunderts die einzige Möglichkeit dar, die Ems zwischen Greven und Rheine zu überqueren. Erst 1907 wurde die Emsbrücke zwischen Emsdetten und Sinningen errichtet, etliche Jahre später, 1929, erhielten auch die benachbarten Orte Elte und Mesum eine feste Verbindung. Die Bockholter Emsfähre dient heute nur touristischen Zwecken und erinnert an frühere Zeiten. An der Hofstelle Bockholt soll es bereits seit etwa 300 Jahren eine Fähre geben.


Am Karfreitag bekommt die Bockholter Emsfähre nun endlich wieder Wasser unter den Kiel. Dann wird sie mit Hilfe eines Traktors an die Ems gefahren und zu Wasser gelassen. Die Fähre, die etwa anderthalb Tonnen wiegt, war schon in den vergangenen Jahren nicht gerade einfach ins Wasser zu bringen und in diesem Jahr wird es sogar noch schwieriger. „Die Ems hat einen so niedrigen Wasserstand wie sonst nur im Hochsommer, ich habe schon Gummimatten ausgelegt weil hier überall Steine liegen die den Rumpf sonst beschädigen könnten“, erklärt Bernd Poll.
Neben dem Zuwasserlassen des Bootes soll auch noch die Stahltrosse gespannt werden, an er das Boot über den Fluss gezogen wird. „Da haben wir auch schon die verschiedensten Techniken probiert“, schmunzelt „Beppo“. Von freundlichen Paddlern die ihre Hilfe anboten, von einer Angel deren Schnüre mit einem Kaffepottdeckel beschwert und an das andere Ufer geworfen wurde und von einem Hund der die Leine schwimmend an das Ufer brachte ist dabei die Rede. „Das waren schon lustige Aktionen“, erinnert sich der Fährmann immer wieder gerne. Jetzt freut er sich aber erst einmal auf die neue Saison und seine „Schwanfreundin Hanna“, die immer in seiner und in der Nähe der Fähre zu finden ist. krk



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