Montag, 8. Dezember 2014

Maria Bögge recycelt Wolle


-krk- Sie ist Malerin, Töpferin, Schneiderin, Schmuckdesignerin und neuerdings fertigt sie Mützen und Schals aus recycelter Wolle. Die Rede ist von Elteranrin Maria Bögge.


Betritt man den idyllischen Bauerngarten des wunderschönen Fachwerkanwesens, der eher versteckt innerhalb des Wohngebietes, und nur über eine kleine Seitenstraße erreichbar ist, so bekommt man schon eine kleine Ahnung was einem im Innern des Hauses erwartet. Liebevoll gebastelte Vogelhäuschen, Keramikfiguren und Glasskulpturen findet man überall im Garten verteilt. Dabei wirkt das ganze jedoch nicht überladen sondern eher verträumt, märchenhaft und romantisch.


Schaut man sich
dann in ihrem Haus um, lassen sich zahlreiche Kunstwerke, Skulpturen und Keramikfiguren, -vasen und -geschirr nahezu in jeder Ecke entdecken. „Vom Keller bis zum Dach ist das ganze Haus voll“, merkt Bögge lachend an. Ihre Motive sind unterschiedlich: Mal sind es landschaftliche Bilder, mal Körper, Tiere und Figuren, oft aber auch Blumen, vor allem blaue Hortensien haben es ihr angetan. Kunst ist kein Hobby mehr für die Rentnerin, es ist vielmehr eine Leidenschaft. „Wenn man genau hinschaut, kann man selbst banalste Sachen künstlerisch darstellen“, erklärt Maria Bögge, die sich nicht auf eine besondere Stilrichtung festlegt, sondern an allen „ausprobieren möchte“.


Das war schon immer so, denn als Bögge mit gerade mal 17 Jahren in eine Fabrik geschickt wurde um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen, belegte sie zum Ausgleich mehrere Kurse bei der Familienbildungsstätte. Beim töpfern, Schmuck basteln und der Malerei entdeckte sie ihre Liebe zur Kreativität. „Das waren alles Sachen die mir wirklich Spaß gemacht haben“ sagt sie. Bald schon nahm sie eine zweite Arbeitsstelle an und nähte dort Pelzschmuck aus Nerz.
Nachdem sie geheiratet hatte, ein Haus baute und fünf Kinder bekam, gönnte sie sich zusammen mit ihrer Familie einen Urlaub auf Teneriffa. „Das war zu der Zeit schon sehr ungewöhnlich, denn kaum Jemand hatte für solch einen Luxus das nötige Geld“ erinnert sich die heute 76-Jährige. Dabei verliebte sie sich in Land und Leute. „Die Spanier waren alle so wunderbar kinderfreundlich, hilfsbereit und kannten keinen Stress - deshalb fühlten wir uns dort einfach gut aufgehoben“, erklärt Maria Bögge. Das waren dann auch die ausschlaggebenden Gründe warum die Familie ihr Haus in Rheine verkaufte und 1967 nach Spanien auswanderte.


Als sich nach und nach die finanzielle Situation der Bögges verschlechterte, war es der Konsul von Ecuador, ein damaliger Nachbar und Freund, der sie ermunterte die Initiative zu ergreifen und sich selbstständig zu machen. Und tatsächlich eröffnete sie innerhalb kürzester Zeit ein Geschäft in dem sie selbst gefärbte Decken, Silberschmuck, Tonfiguren und mit Zinn verzierte Gläser an Touristen verkaufte. Die Kinder wurden älter und sollten bald die weiterführenden Schulen besuchen. „Das wäre einfach zu teuer geworden“, berichtet die gebürtige Rheinenserin. Und so kehrte die gesamte Familie schweren Herzens nach Deutschland zurück.


Sie mieteten ein Haus in Elte. Maria arbeitete in einer Keramikwerkstatt in Spelle und eröffnete in Neuenkirchen einen kleinen Laden, wo sie Keramikfiguren verkaufte. Nach etwa zwei Jahren war der Keramikverkauf erschöpft und sie änderte das Sortiment. Nun verkaufte sie Wolle und Handarbeiten, kleine Stoffpüppchen, Patchworkjacken, Seidenmalereien und veranstaltete sogar kleine Modenschauen. Dann zog sie sich aus dem Geschäftsleben zurück.


Es blieb jedoch reichlich Wolle übrig. In ihrem kleinen Atelier, in Elte, strickte und häkelte sie Schals, Mützen, Socken und Handschuhe, eben alles was sich so aus Wolle herstellen ließ. Als die Wolle dann nach und nach zu Neige ging, kam sie auf die Idee Wolle zu recyceln. Alles was nicht mehr getragen wurde und ihr in die Finger kam, wurde aufgeribbelt, geglättet und zu, mit viel Liebe zum Detail, gestalteten Handarbeiten verarbeitet. Ideen für Neues habe sie ständig, sagt sie und so schuf sie gerade erst Schals die, nicht die sonst üblichen Fransen sondern, Reverskragen von Blusen und Hemden aufweisen, lustige Armstulpen mit Knopf und Mützen mit Federn und Lederapplikationen.


Das ihre Handarbeiten bei den Käufern gut ankommen, merkte sie schon auf dem Elter Kartoffelfest. „Mit soviel Verkäufen hatte ich gar nicht gerechnet“, sagt Maria Bögge erfreut. Jetzt blickt sie ganz erwartungsvoll auf den kommenden Weihnachtsmarkt der am 13. Dezember ab 11 Uhr auf dem Hof der Gaststätte „Zum Splenterkotten“ stattfindet und auf dem ihre Nichte das erste Mal ihre Handarbeiten in der passenden Jahreszeit anbieten wird.



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