Mittwoch, 1. Juli 2015

Peters letzte Schicht



-krk- Dass jemand zehn Jahre in einer Firma tätig ist, ist heutzutage schon beinahe eine Seltenheit – und sowohl der Globalisierung als oft leider auch der Rationalisierung geschuldet. Aber jemanden zu finden, der über 40 Jahre in einem Unternehmen beschäftigt ist, ist beinahe ein
Ding der Unmöglichkeit. Allerdings nicht in Rheine/Elte...

Schon im Kindesalter war für Peter Schnellenberg bereits klar, dass ein handwerklicher Beruf die Erfüllung seiner Träume sei. So machte der Teenager eine Lehre als Landmaschinen-Schlosser, gleich so, wie es damals für einen Großteils der Jungs vom Lande üblich war. 1974 wechselte er den Arbeitgeber und wurde bei „apetito“ im technischen Bereich als Industriemechaniker eingestellt.


Weil die Kollegen so nett waren, die Arbeit erfüllend und die Motivation, etwas zu leisten, groß, „wollte ich unbedingt in der Firma bleiben“, sagt Schnellenberg und tat das denn auch 41 Jahre lang. Das Bedürfnis, in ein anderes Unternehmen zu wechseln, hatte der Elteraner nie. „Ich habe mich immer mit der Firma identifiziert und hier meinen Platz gefunden“, sagt der inzwischen 63-Jährige. Denkt er jedoch an die alte Zeit zurück, wird er fast ein wenig wehmütig: „Nicht nur die Landmaschinen haben sich in den Jahren gehörig geändert. Es war schon alles ruhiger und beschaulicher, nicht so hektisch wie heute.“ Durch Besuche von Lehrgängen bildete er sich weiter, um mit der sich ständig verändernden Technik Schritt zu halten. „Das macht ja auch Spaß wenn man sieht was mit Hilfe der Technik heute alles möglich ist“, sagt Schnellenberg begeistert.

Jetzt geht der rüstige Mechaniker in den Ruhestand. Nicht nur sein fachliches Geschick wird ab jetzt vermisst werden, sondern auch ein guter Freund der der Belegschaft fehlen wird. Aber wer 41 Jahre in einem Betrieb tätig ist, der hat sich den Ruhestand mit 63 Jahren auch wirklich verdient. „Klar, nicht nur ein lachendes, sondern ein weinendes Auge ist auch dabei. Aber das ist nun mal so im Leben“, sagt der jetzige Rentner.

Hin und wieder Fahrradfahren möchte Peter von nun an, der zukünftig auch zu Hause seiner Frau in der Küche helfen wird. „Natürlich räume ich mal die Spülmaschine ein, aber das soll nicht zur Alltäglichkeit werden und darf nicht ausarten“, setzt der Elteraner lachend hinzu. 


 
Das er jetzt endlich genügend Zeit für seine heißgeliebten Oldtimer habe, freue ihm am meisten, sagt er. Das er dann beim schrauben Armtief im Schmierfett steckt, störe ihn dabei herzlich wenig. Denn wie es sich für einen Landmaschinen-Schlosser gehört, besteht sein Fuhrpark aus vielen alten Landmaschinen, Schleppern und Treckern, die er auch in jedem Jahr auf dem Kartoffelfest in Elte ausstellt.
Seinem ungewöhnlichem Hobby ist es deshalb wohl auch zu verdanken, das er nach seiner letzten Schicht, von seinem Freund Thomas Fieker, mit einem uralten Lanz Bulldog 1620, mit Schwungrad und Kurbelwelle - bejubelt von zahlreichen seiner Kollegen, Nachbarn und Freunden, erst eine Runde über das Betriebsgelände drehte und dann nach Haus gefahren wurde. Durch das laute Knattern des Lanz Bulldogs alarmiert und durch das auf der Rückseite des Treckers angebrachten Schilds „Peters letzte Schicht“ informiert, strömten die Elteraner aus ihre Häusern und bejubelten den frisch gebackenen Rentner. Auch Schnellenberg selbst war von der Fahrt total begeistert. „Das mach ich bald nochmal“, sagte er schmunzelnd.


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