Dienstag, 3. Mai 2016

Eulenküken


-krk- Ungefähr 25 Zentimeter groß, mit flauschig-weichem Daunenkleid und großen unschuldigen Augen saß das Küken am vergangenem Donnerstag unterm Baum – direkt am Gottkenweg in Elte, scheinbar ganz allein und hilflos. Doch Rettung nahte: Landwirt
Karl-Heinz Venker entdeckten die junge Eule, bei einem Rundgang über sein Gelände.


Der wusste jedoch nicht gleich, was zu tun ist und bat Sigrid Popp-Drescher, eine Elteranerin die sich schon jahrelang um heimatlose und misshandelte Tiere kümmert, um Hilfe. Nachdem diese die Eule und den Fundort inspizierte, stand fest das dem Tier geholfen werden musste: „Der Kleine lag zwischen seinen beiden toten Geschwistern und war schon sehr geschwächt“, berichtet Popp-Drescher und ist sich sicher: „Der hätte die kommende frostige Nacht nicht mehr überlebt.“ Vermutlich seien die Tierchen wohl bei einem Angriff eines Sperbers oder Marders aus dem Nest gefallen. „Das kommt häufiger vor und ist eigentlich nicht weiter schlimm und noch lange kein Grund einzuschreiten“, weiß die erfahrene Frau. Eulenjunge die am Boden herumkriechen sähen zwar besonders hilflos aus, doch grundsätzlich bräuchten sie keine Hilfe. Aus dem Nest krabbeln und auf den Boden zu fallen sei häufig und normalerweise würden sie es sogar schaffen wieder auf den Baum zu klettern. Die Eltern fänden die Kleinen dann durch deren Futterbettelrufe und kümmerten sich auch weiterhin um sie.


In diesem Fall aber war das anders. Und so nahm sie das Tierchen mit nach Hause und gab ihm erst einmal etwas Hundefutter zu fressen. Dann legte sie ihn in einen Wäschekorb und hing eine Wärmelampe über sein „Nest“. „Schon in der Nacht war er nicht mehr so apathisch und wurde wieder etwas aktiver“, berichtet die Tierfreundin glücklich. Bereits am nächsten Tag nahm Sigrid Kontakt mit Werner Schneyink vom NABU Rheine auf, um sich genau über die Aufzucht ihres Schützlings zu informieren.


Derzeit bekommt „Kalli“ (den Namen verdankt er seinem Finder) etwa alle drei Stunden etwas zu futtern, erst musste er noch gestopft werden, doch seit genau einem Tag nimmt er seine Nahrung selbstständig von einer Pinzette auf und hat auch schon 50 Gramm zugenommen. „Jedes Gramm zählt“ ist sich die engagierte Tierschützerin sicher. Hackfleisch, Rindergulasch und etwas Leber stehen im Moment auf dem Speiseplan des Eulchens, doch schon bald soll es Mäuse und Küken geben. „Das zu verfüttern fällt mir als Vegetarierin nicht leicht“, ahnt die Gnadenhofbesitzerin. Den größten Hunger hat Kalli übrigens nachts, ab 23. Uhr und dann nochmal ganz früh morgens, so wie es sich für einen echten nachtaktiven Vogel eben gehört. Danach kuschelt er sich in das von Sigrid selbstgebaute Nest (zwei Körbe die kurzerhand umfunktioniert wurden) und döst bis zur nächsten Mahlzeit.


Um welche Art von Eule es sich genau handelt weiß Popp-Drescher derzeit noch nicht, schließlich sieht der Kleine, wie alle Eulenküken, irgendwie nach einem geplatzten Daunenkissen aus und ob Kalli wirklich ein Kalli oder nicht doch eher eine Karla ist, lässt sich im Moment auch noch nicht feststellen. „Dafür brauche ich einen richtigen Fachmann“, sagt die Elteranerin. Aus diesem Grund wird Kalli bald in die Hände von Max Lohmeyer von der NABU-Pflege- und Auswilderungsstation für verletzte und verwaiste Wildtiere in Steinfurt übergeben. „Das fällt mir sicher nicht leicht, mein Mutterinstinkt ist da einfach zu groß“, sagt die Frau mit dem großen Herzen für Tiere. Trotzdem heißt es schon bald für sie Abschied nehmen von ihrem gefiederten Zögling, damit sich der Kleine nicht zu sehr an sie und andere Menschen gewöhnt.


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