Freitag, 6. Oktober 2017

Vortrag "Gegen das Vergessen"


-krk-. „70 Jahre danach - Geschichten von Vertriebenen“ so heißt der Vortrag den die kfd Elte am Donnerstag 28. September, um 20 Uhr, im Gemeindezentrum Elte, ausrichtet. Referentin ist Christa Overesch.
Wenn Vertriebene über die Tage der Flucht und den Neuanfang in Deutschland sprechen, wirkt das meist nicht so, als würden
sieben Jahrzehnte dazwischenliegen. „Manche Tage kann ich von früh bis abends nacherzählen. Je älter man wird, desto deutlicher habe ich das vor Augen“, sagt Christa Overesch. Die 74 Jahre alte Frau stammt aus dem kleinen Dorf Alt Lomnitz, das heute zu Polen gehört. Als sie, am 23.August 1946, zusammen mit ihrer Mutter, ihrer jüngeren Schwester, den Großeltern, und dreißig anderen Dorfbewohnern in einen Güterzug gesteckt und abtransportiert wurde, war sie gerade mal dreieinhalb Jahre alt.
Ich hatte immer furchtbaren Durst“, erinnert sie sich. Ihre Mutter habe sie stets auf den nächsten Halt des Zuges vertrösten müssen, denn sie habe ja nichts gehabt. Erst nachdem die Dampflok Wasser bekommen hatte, hätten auch sie sich anstellen und ihre Kanne füllen dürfen. Es sei eine sehr schwere Zeit gewesen, in der die Kinder schrien und die alten Leute schimpften. Eines der 12 Kinder, die in dem Zug eingepfercht waren, sei sogar an den Strapazen des Transports gestorben.
Nach 12 Tagen Fahrt kam der Zug im westfälischen Warendorf an. Dort gab es in einem Pferdegestüt ein Auffanglager. Dann ging es an die Verteilung der Schlesiendeutschen. Viele der Dorfbewohner wurden für den Ort Beckum, die Familie von Christa Langer (so Overeschs Mädchenname) jedoch für Rheine eingeteilt. Vom Bahnhof Rheine ging es dann mit dem LKW nach Elte. „Viele Elteraner können sich noch gut an unsere Ankunft erinnern und erzählen es mir heute noch“, berichtet die Rentnerin. Darüber ist sie sehr froh: „Solange sich noch Leute daran erinnern können, sind die vielen lieben Menschen die damals ihr Leben im Krieg und auf der Flucht lassen mussten, nicht vergessen!“
Wohl auch aus diesem Grund war Christa erst noch vor kurzem zu Besuch in der Grundschule ihres Enkels Vincent, der das Thema Flüchtlinge auf dem Lehrplan stehen hatte. „Vincent hatte in der Schule erzählt das seine Oma auch ein Flüchtling sei, daraufhin wurde ich von der Lehrerin gefragt ob ich nicht über die Flucht berichten wolle“, erklärt Overesch stolz. Es sei unglaublich spannend und interessant gewesen, was für intelligente Fragen die Viertklässler gestellt hätten.
Zu meiner Zeit fanden Flucht und Vertreibung der Deutschen noch ohne mediale Begleitung statt. Nur Zeitzeugen hüten noch all diese Erinnerungen. Und ihre Zahl wird stetig kleiner. Ich finde es sehr wichtig das diese tragischen Geschichten der Nachwelt erhalten bleiben und dass auch Kinder und Jugendliche über so ein Thema sprechen“, betont Overesch.
Wie es mit Christa und den anderen Neuzugezogenen in Elte weiterging, und wem es zu verdanken war, dass es nur zu wenigen Missverständnisse und Problemen zwischen Flüchtlingen und Elteranern kam, erfahren sie bei dem Vortrag am 28. September. Sowohl die kfd Elte, Christa Overesch als auch die beiden weiteren Zeitzeugen Gerda Lammerskitten und Bernhard Pohler wünschen sich, dass zu ihrer „Mission gegen das Vergessen“, nicht nur Erwachsene sondern auch viele Jugendliche kommen. „Wir hoffen auf eine gute Diskussion über das Thema Flüchtlinge und die Integration früher und heute.“




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