Mittwoch, 20. Dezember 2017

"Wir sind mit dem Ferrari da!"

 -krk- Der Regen am Vortag hatte sein Bestes gegeben, um den Spaziergang durch das beschauliche Dorf Elte so wenig weihnachtlich wie möglich zu machen. Bis ein Mann mit seinem Fahrrad auftauchte – auf seinem Gepäckträger transportierte er einen
Weihnachtsbaum und summte gut gelaunt „O Tannenbaum“ vor sich her, dicht gefolgt von einer kleinen Familie mit Bollerwagen in dem gleich drei kleine Tannenbäumchen steckten. „Was ist hier denn los“, wird sich so Mancher am vergangenem Wochenende gedacht haben, wenn auch an ihm ganze Treckerladungen voller Weihnachtsbäume vorbeizogen. Die Rede ist vom Weihnachtsbaummarkt in Elte! 


Denn beim genaueren „Hinsehen“ – oder besser gesagt „Hinhören“ erklang in der Nähe des Dorfplatzes leise Weihnachtsmusik. Ging man der Musik dann auf den Grund, landete man automatisch auf dem Parkplatz der Gaststätte „Zum Splenterkotten“. Nur war dieser nicht als solcher zu erkennen. Da wo sonst auf dem gepflasterten Boden Autos stehen, strahlten hell erleuchtete Weihnachtsbuden, auf großzügig verteilten Holzspänen, in der Mitte des Hofes brannte eine Feuerschale und überall schaute man in die fröhlichen Gesichter der Besucher. Im Biergarten des „Kottens“ tummelten sich ungewöhnlich viele Elteraner aber auch jede Menge Auswärtige um sich mit Weihnachtsbäumen einzudecken.


Wir sind mit dem Ferrari da!“ sagte Timon Sendker und zeigte dabei stolz auf die quietschrote Schubkarre die Papa Rainer von Zuhause mitgebracht hatte. Der Steppke hatte definitiv auch bei der Wahl des Baumes das Sagen, doch der musste erst mal gefunden werden. Das war gar nicht so einfach, denn die Meinungen, wie der perfekte Baum aussehen muss, gingen weit auseinander. „Der ist auf der einen Seite viel zu platt“ und „Papa du hast einen Knall, der ist doch viel zu klein, da passen doch gar nicht alle Geschenke drunter “, nörgelte der Junior als der Herr Papa einen knapp 1,70 Meter großen Baum in Augenschein nahm. Erst nach einigem Hin- und Her einigten sich die „Männer“ auf einen Baum stattlicher Größe. Kaum war der Weihnachtsbaum eingenetzt zog ihn der 7-Jährige fast ohne Hilfe in seinen Ferrari. 


Dann ergriff Papa Rainer nicht nur die Initiative sondern auch seinen grinsenden Sohn und setzte ihn in die Karre. Dort thronte er hoch oben auf den Tannenbaum und ließ sich stolz wie Bolle über den gesamten Weihnachtsbaummarkt schieben. 
„Jetzt bin ich endlich auch mal König“, sagte der selbst ernannte Tannenbaumprinz stolz und spielte damit wohl auf seine „adelige“ Familie an. Denn Timons Schwester Ida war im letzten Jahr Kinderprinzessin und Mama Birgit und Papa Rainer sind noch das amtierende Prinzenpaar im Elter Karneval. Bevor Vater und Sohn aber den Baum nach Hause brachten, gingen die zwei natürlich noch zum Lagerfeuer, wo es Punsch und Würstchen gab.


Ein Ehepaar ging gleich mit zwei Exemplaren wieder nach Hause. „Wir bringen unserer Nachbarin einen Baum mit, die kann leider nicht mehr so gut laufen und der Transport wäre auch zu schwer für sie“, erklären die Beiden. Nachbarschaftspflege wird in Elte generell sehr groß geschrieben – einige Landwirte aus „Heine“ und der „Feldkante“ kamen gleich mit Trecker und Anhänger und luden die schon auserwählten Tannenbäume der Nachbarn einfach gleich mit auf.
Der Besucheransturm war so groß dass der Ein- oder Andere wahrscheinlich schon befürchtete keinen Weihnachtsbaum mehr zu finden, doch Gastwirt Markus Wältring hatte genügend Bäume besorgt. „Allesamt Biobäume ohne Pestizide und alle von der Surenburg“, erklärte Wältring. Das kam auch Jörg Teile und seiner Frau Maria sehr gelegen: „Uns ist es wichtig, dass es ein regionaler Baum ist, denn die Umwelt und unsere Gesundheit liegen uns sehr am Herzen.“

Baum ist also nicht gleich Baum. Möglichst groß sollte er auch für Herr und Frau Scheer sein, gleichzeitig aber durften die untersten Äste nicht zu tief liegen, „sonst knabbern die Hunde wieder daran rum, dann spucken die uns, wie im letzten Jahr, wieder alles auf den guten Perserteppich!“
Während der Weihnachtsbaum für das Ehepaar Scheer nicht groß genug sein konnte, suchten Olga Zöllig und ihr Verlobter Markus ein kleines, niedliches Bäumchen. Dieses solle dann auf einem Tisch in der Ecke des Wohnzimmers stehen. „Das ist unser erster gemeinsamer Baum, der kann mit den Jahren ja noch wachsen“, sagten die Beiden lachend, gaben sich einen Kuss und genossen anschließend noch die schöne Atmosphäre des besinnlichen Weihnachtsmarktes.



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