Dienstag, 17. Dezember 2019

Autor und Publikum waren zu Tränen gerührt

-krk- Bis auf den letzten Platz besetzt war die Gaststätte „Zum Splenterkotten“ als am Freitagabend, die von der Bürgerinitiative Dorf.Land.Zukunft. (DLZ) initiierte Lesung mit Grünkohlessen und anschließender Diskussionsrunde, von dem aus
Elte stammenden Autor und SPIEGEL-Redakteur Markus Deggerich, stattfand.

Markus Deggerich, Jahrgang 1969, baute als erster Online-Korrespondent Deutschlands das Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE auf, wechselte 2004 als Reporter zum Print-SPIEGEL und arbeitete danach vom Hauptstadtbüro aus für das Deutschland- und Politik-Ressort. Seit 2018 schreibt er im Ressort Sonderthemen als Berlin-Korrespondent. Jetzt ist er auch unter die Autoren gegangen und greift mit seinem Buch „Die Eltern im Alter begleiten -: Planen, helfen, pflegen – und sich selbst vor Überforderung schützen“ ein gesellschaftsrelevantes Thema auf.

Das eine der ersten Lesungen in seinem Heimatort Elte stattfand ist für Deggerich „Ehrensache“. „Ich komme immer wieder gerne nach Elte: hier habe ich meine Kindheit verbracht, Schützenfeste und Hochzeit gefeiert, aber das Schönste daran - ich gehöre noch heute zur Dorfgemeinschaft dazu.“ Auch seine Eltern, die er lange gepflegt hat, sind hier begraben. Mit ihnen verbindet der Redakteur Liebe, schöne Kindheitserinnerungen, Dankbarkeit aber auch Emotionen wie Wut, Trauer und Machtlosigkeit, denn die Pflege seiner Eltern war oftmals ein Kampf und ein, für ihn und seine fünf Geschwister, kaum zu stemmender Kraftakt.

Wenn die Eltern alt werden, unterstützt man sie gern. Doch das kann einem über den Kopf wachsen“, sagte er zu Beginn der Lesung. In seiner ersten Geschichte „Wie ich fast meine Mutter umgebracht hätte“ spiegelte sich die ganze Bandbreite seiner damaligen Verzweifelung und Überforderung, bei der der Autor aber auch die ergriffenen Zuhörer die Tränen nicht zurückhalten konnten. Hilfe bekam er damals durch die Pflegekraft „Danuta“ aus Polen, die sich zwei Jahre lang um seine Eltern kümmerte und über die er in seiner zweiten Geschichte „Der Engel Danuta“ berichtete. Bei der dritten Geschichte „Die Stille nach dem Schluss“ ging es um seinen schweigsamen Vater der als Kind aus Schlesien fliehen musste und dabei ein Trauma erlitt, dass ihn bis zu seinem Tode verfolgte und ihn jede Nacht schreiend aus dem Schlaf aufschrecken ließ. Zwischendurch versagte die Stimme Deggerichs immer wieder, der sich verstohlen die Tränen abwischte und dem es nur unter großer Mühe gelang, die Geschichte bis zum Ende zu erzählen. Auch das Publikum ließ den Tränen feien Lauf.

Bei der anschließenden Diskussion standen Markus Deggerich die Pflegexpertin und jahrelange Chefredakteurin der Zeitschrift „Angehörige Pflegen“, Brigitte Teigeler und die aus Elte stammende Pflegefachkraft und-beraterin Susanne Wältring vom Pflegedienst Cathamed zur Seite. Verschiedene Fragen zum Thema, wie zum Beispiel: „ Kommunikation in Familien – wie kriegt man das hin?“; „Wie schützt man sich vor Überforderung?“; „Bin ich zur Pflege verpflichtet? Darf ich Nein sagen?“ und „Welche Wohn/Pflegemodelle gibt es eigentlich?“wurden angesprochen und beantwortet. Auf die Frage „wie man denn das richtige Seniorenheim finden könne?“ antwortete Brigitte Teigeler: „ Schauen Sie sich das Heim in Ruhe an, reden Sie mit den Bewohnern und vor allem riechen Sie ganz genau hin. Riecht es unangenehm dann lassen Sie die Finger davon und suchen weiter!“

Nach dem Grünkohlessen und einer weiteren Geschichte von Deggerich, klang der Abend mit netten Gesprächen (die sich auch weiterhin größtenteils um die Pflege der Eltern drehten) und einer Autogrammstunde aus.

Das Buch in dem nicht nur emotionale Geschichten und Reportagen sondern auch praktische, lebensnahe Informationen und Checklisten zu finden sind, ist bei Amazon erhältlich.









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