Mittwoch, 13. Mai 2020

Illegale Mountainbike-Piste im Naturschutzgebiet Elte

-krk- Der Boden im 26,6 Hektar großen Naturschutzgebiet „Elter Dünen“ ist mit Laub und Sand bedeckt, doch die Spuren sind noch immer deutlich zu erkennen: Selbst errichtete Hindernisse aus Holzpalisaden und tief
ausgehobene Löcher sowie Spurrillen in der Erde zeugen davon, dass hier jemand mit dem Mountainbike (MTB) unterwegs war – und das nicht zum ersten mal.

Die Elter Dünen sind eine Pilgerstätte – für Naturliebhaber wie MTB-Touristen. Doch die Interessen könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Naturschützer mit Freude registriert haben, dass hier seltene Tier- und Pflanzenarten heimisch sind und auf den offiziellen Wegen bleiben, schätzen MTB- Fahrer besonders die steilen Abhänge der Elter Dünen als Cross-Strecke. Gerade jetzt, wo man wegen Corona wohnortnah sporteln soll, macht es anscheinend besonders viel Spaß, mit dem Rad über die meist abgelegenen Waldpfade zu heizen, denn mit den steilen Abfahrten bieten die Elter Dünen alles, was das Radlerherz begehrt und höher schlagen lässt.

Hier wurde eine halbprofessionelle MTB-Strecke aufgebaut“, erklärt ein entsetzter Spaziergänger. Und das sei illegal: Fahrräder hätten im Naturschutzgebiet überhaupt nichts zu suchen.
Zwei Wochen ist es her, dass der Elteraner bei einem Spaziergang mit seiner Mutter die Mountainbike- Strecke entdeckte. Auf vielen Metern quer durch den Wald erstreckt sich die Route mit vereinzelten Sprungschanzen, Holzpaletten, Rampen und gefährlich, tiefen Löchern. „Mit so etwas hatten wir überhaupt nicht gerechnet, als wir mal nachschauen wollten, was sich denn wohl hinter der blauen Plane verbirgt, die man von der Straße aus sehen konnte“, stellte der Naturfreund (der nicht namentlich genannt werden möchte) fest. Auch seine Mutter sei einfach nur entsetzt gewesen, beim Anblick der sich ihnen dort bot.
Die blaue Plane stellte sich als Unterstand für die Radfahrer heraus und dieser steht direkt neben der stark abschüssigen Piste. Die Spuren der Mountainbikes sind unübersehbar. Abseits der Wege ist der Wald regelrecht misshandelt worden. Mehrere Tage lang müssen die Radler hier verbotenerweise mit Schaufeln und Hacken den Boden gelockert und die selbst gebauten Rampen mit Holzpalisaden befestigt haben. Zahlreiche Sprungschanzen wurden angelegt und das Gelände nach ihren Vorstellungen „umgebaut“. Dazu gehört auch das Anlegen tiefer Löcher über die ein einzelner Baumstamm geworfen wurde, über den sich die MTB- Fahrer wohl herüber hangeln müssen. Weggeworfene Flaschen, leere Chipstüten und diverse Papiertaschentücher geben Zeugnis darüber dass die Mountainbikepiste gut besucht ist und die MTB´ler herzlich wenig auf die Natur achten.
Auch ein Anwohner des Roßwegs entdeckte die illegale Strecke. Seine Sorge gilt vor allem den Tieren - und die würden durch die Biker verschreckt. Das metallische Quietschen der Bremsen, die Bodenerschütterungen, Schreie und Rufe aber vor allem die hohe Geschwindigkeit, mit der die Biker sich durch den Wald bewegen, seien problematisch: „Für die Tiere ist das purer Stress! Vor allem jetzt zur Brut- und Setzzeit“, weiß der Elteraner. „Alles dass was wir schützen wollen wird uns durch solche Aktionen so schwer gemacht“, sagt der engagierte Naturschützer, während er den illegal angelegten Trail hinuntergeht. „Es geht um Waldgebiete, deren Flora und Fauna so empfindlich ist, dass diese nicht nur durch „Waldbesucher“, sondern (oder erst recht) auch durch MTB´ler gestört wird. Ich bekomme es einfach nicht in meinen Kopf, wie man sich so verhalten kann. Als Outdoor-Sportler schätzt man doch die Natur und all das, was sie einem persönlich gibt. Wieso kann man dann solche Gebiete nicht einfach respektieren?!“

Die Sorge um die Natur ist nicht das Einzige, was den Elteraner umtreibt: „Durch diese tief gegrabenen Löcher können sich nicht nur Tiere sondern auch Menschen verletzen, wer haftet denn dann dafür?“

Die illegale Piste wurde inzwischen beim Ordnungsamt Rheine angezeigt. Dieses hat die Sache bereits an das Umwelt- und Planungsamt des Kreis Steinfurt weitergeleitet. Die Pressestelle der Behörde teilte mit: Rechtlich gesehen handele es sich um das Naturschutzgebiet Elter Dünen. Schon das Betreten der Dünen außerhalb der ausgewiesenen Wege sei verboten. Derzeit werde davon ausgegangen, dass es sich nicht um eine Straftat, sondern um eine Ordnungswidrigkeit handele. Dies und das weitere rechtliche Verfahren werde gemeinsam mit der Polizei durch das Umwelt- und Planungsamt festgelegt.

Zur weiteren Vorgehensweise teilte das Amt außerdem mit: Die Beseitigung des „Parcours“ werde bei einem externen Forstunternehmen beauftragt. Außerdem wird das Umwelt- und Planungsamt Kontakt zur Stadt Rheine aufnehmen, um gegebenenfalls den oder die Erbauer des „Parcours“ herauszufinden.

Die Polizei würde eingeschaltet. Der für Elte zuständige Naturschutzwächter sowie ein Mitglied des Naturschutzbeirates seien informiert und gebeten worden vor Ort zu beobachten, ob weiterhin entsprechende Aktivitäten stattfinden. Es erfolge wahrscheinlich eine Anzeige gegen Unbekannt.

Die Rampen, Schanzen und Ähnliches werden also abgebaut, damit das Gelände seine ursprüngliche Gestalt zurückerhält. Es sei denn, die Mountainbiker packt das schlechte Gewissen und sie melden sich freiwillig zum Arbeitseinsatz.





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