Sonntag, 17. Mai 2020

Schützenfest in Elte abgesagt

-krk- Noch läuft der Ticker auf der Homepage der Ludgerusschützengilde Elte und zeigt das Datum des eigentlich im Juli stattfindenden Schützenfestes an. Tatsächlich wird es bis zur nächsten Traditionsveranstaltung aber noch
mehr als ein Jahr dauern. Corona, wie könnte es anders sein, ist Schuld daran.
Die Absage ist uns nicht leicht gefallen“, sagt der 1. Vorsitzende Ulrich Limbrock. „Schützenfest in Elte, das ist wie Karneval in Köln oder Oktoberfest in München. „Da herrscht im gesamten Dorf Hochbetrieb“, weiß Limbrock. Lange hätten er und der gesamte Vorstand der Schützengilde gezögert, doch nun haben sich die Verantwortlichen zu einer Absage durchgerungen. Dass der Ticker trotzdem bis heute weiterläuft? Vielleicht ein Versehen. Vielleicht aber auch der versteckte Wunsch, dass es einfach so wäre wie sonst.

Das dritte Wochenende im Juli ist für alle Elteraner ein gesetztes Datum. „Dann ist das ganze Dorf auf den Beinen und es herrscht totaler Ausnahmezustand. Weggezogene kommen wieder zurück in die Heimat und feiern gemeinsam mit Dagebliebenen und neu Zugezogenen, mindestens drei Tage lang, ausgelassen „ihr Fest“. Sämtliche Ferienwohnungen sind zu der Zeit ausgebucht, so dass der ein- oder andere auch mal bei den ehemaligen Nachbarn oder dem besten Freund unterkriechen und auf dem Sofa schlafen muss. 
Beim Antreten auf dem Dorfplatz sind dann auch nicht nur die Schützen anwesend, Frauen, Kinder, Opa´s und Oma´s und sämtliche Verwandschaft wandert mit zur Vogelstange auf den Hellhügel. 
Kaum ist der neue Schützenkönig ermittelt, geht es unter den Klängen des vereinseigenen Spielmannszug zurück zum Festzelt, wo bis zum nächsten Morgen ausgelassen gefeiert wird.
Bei der Proklamation am Sonntag ist ebenfalls das ganze Dorf auf den Beinen. Jeder möchte beim „Ausholen des Königs“ einen Blick auf den neuen Schützenkönig werfen. Gilt es doch später wichtige Fragen wie zum Beispiel: „Wer ist als Ehrendame und Ehrenherr mit auf dem Schützenthron?“, „Wer ist Kinderschützenkönig“ und „Was hat die Schützenkönigin an?“ zu beantworten.
Der Dresscode ist in Elte vor allem am Sonntagabend wichtig. Da heißt es dann nämlich „Antreten zur Polonaise“. Nicht nur die Frage „Wer geht in diesem Jahr mit wem?“ macht das Zuschauen interessant. Auch die langen, kurzen, wallenden und enganliegenden Kleider der Schützendamen sorgen für so manchen Hingucker.
Für viele Männer ist jedoch das „Hexen“ am Schützenfestmontag das Highlight des Schützenfestes. Ungezwungen ohne Hut und Krawatte geht es dort zu und Frauen ist die Teilnahme gänzlich untersagt.
Elte und Schützenfest, das gehört untrennbar zusammen“, sagt auch der 2. Vorsitzende Frank Holthaus, „Urkundlich nachgewiesen existierte schon im Jahre 1478 eine Bürgergilde in Elte. Ursprünglich hatte diese Bürgergilde die Aufgabe, als Interessengemeinschaft, später durch Schützen verstärkt, die einzelnen, zum Teil abgelegenen Häuser vor Überfällen und Brandschatzung zu schützen. Als diese Art Bürgerwehr nicht mehr notwendig war, blieb die Gemeinschaft bestehen und so wird das Schützenwesen in Elte, bis zum heutigen Tag, fortgeführt.“ Über 600 Mitglieder habe Rheines ältester Schützenverein. „Da ist so ziemlich aus jedem Haus im Ort mindestens einer dabei“, sagt Holthaus schmunzelnd.

Hier feiern jung und alt“, sagt Holthaus, „wir Elteraner sind eine eingeschworene Gemeinschaft, jeder kennt jeden, jeder hilft jedem.“ Etwa wenn der neue König und der Kaiser ausgeschossen sind. Dann setzen sich ganze Nachbarschaften in Bewegung und schmücken nicht nur das Haus des Königs beziehungsweise des Kaisers sondern auch die Straße, mit selbstgemachten Rosen.

Wir haben wirklich lange damit gewartet, das Fest abzusagen, vor allem weil den Älteren jetzt etwas fehlt. „Aber irgendwann war klar, dass ein Schützenfest, wie wir es kennen, in diesem Jahr nicht möglich sein wird“, sagt Ulrich Limbrock traurig, „Abstandhalten an der Theke und an den Tischen? Das hätte nichts mehr vom Miteinander gehabt, wie man es sich eigentlich wünscht.“

Auch das Dankeschönfest (11. Juni) und der Besuch des Schützenfestes in Borne (13. Juni) fallen wegen Corona aus. In Elte hoffen sie nun, dass in diesem Jahr spätestens ab Ende September so viel Normalität zurückgekehrt ist, dass das Kartoffelfestival (bei dem die Schützen kräftig mit anpacken) stattfinden kann. Oder wenn auch das nicht geht, dass dann wenigstens die Schießgruppe ihr Training wieder aufnehmen kann. „Wir werden versuchen unsere Vereinsmitglieder, per E-Mail oder Brief, immer über den neusten Stand zu unterrichten“, erklärt Uli Limbrock.

2021 würden die Elteraner dann einen Neustart feiern. Osterfeuer, Radtour mit Grillfest – es gibt mehrere Termine jedes Jahr, die das Dorfleben strukturieren und Gemeinschaft stiften. „Es ist vor allem für die Älteren sehr schade, dass unser Schützenfest dieses Jahr ausfallen muss“, sagt der Chef der Elter Schützen, „aber das wird an der Dorfgemeinschaft nichts ändern. Hier in Elte wird niemand vergessen.“ Auch ohne Schützenfest nicht.

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